Pfadis klären Autofahrer auf

8. April 2016
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Schon lange war es geplant (und „wir waren im Gespräch“), nun hat es am Ende der diesjährigen Massenwanderung der Amphibien noch geklappt: Am Donnerstag (7. April 2016) hat die Polizei die Straßenvollsperrung in Wäldershausen kontrolliert und dabei uns Pfadfindern den Part überlassen, die Verkehrssünder über den Sinn der Sperrung aufzuklären.
In Wäldershausen (Homberg/ Ohm) haben wir derzeit den einzigen Straßenabschnitt im ganzen Vogelsbergkreis, der während der Amphibienwanderung nachts gesperrt wird, weil aufgrund der baulichen Gegebenheiten auch mit Schutzzäunen nur ein Teil der Tiere sicher über die Straße gebracht werden kann. Leider müssen wir jedes Jahr feststellen, dass sich nur ein kleiner Teil der Auto- und LKW-Fahrer an die Sperrung hält. Egal, ob – wie in diesem Jahr – nur ein Durchfahrtsverbotschild steht (Verbot für die Zeit 18 bis 6 Uhr) oder sogar mehrere Absperrzäune aufgebaut werden – mindestens 75% fahren einfach durch, tief in der Nacht sind es eher 100% (auch unsere wenigen Fotos zeigen deutlich, dass auf einer eigentlich gesperrten Straße doch einiges los war…). Damit machen aber diese „Verkehrssünder“ alle Naturschutzbemühungen zunichte, denn je nach Temperatur genügt schon ein Fahrzeug alle paar Minuten, dass kaum ein Frosch, eine Kröte oder ein Molch seinen Versuch, die Straße zu überqueren, überlebt.

Bei der nun mit der Polizeidienststelle Alsfeld und dem Verkehrsdienst der Polizei in Lauterbach initiierten Aktion wurden alle Fahrzeuge, die das Verkehrszeichen 250 ignoriert hatten, von Polizeibeamten angehalten und auf ihre Ordnungswidrigkeit hingewiesen (was 20 Euro kostet). Danach war es der Part der Pfadfinder, über die Notwendigkeit der Sperrung an dieser Stelle und das Langsamfahren an allen anderen Stellen von Amphibienwanderungen aufzuklären. Dazu hatten wir auch lebende und tote Erdkröten, Teich- und Bergmolche, die wir zuvor von der Straße gesammelt hatten, als Anschauungsobjekte dabei. Außerdem hatten wir ein Infoblatt mit Fotos für die Autofahrer vorbereitet. Die meisten zeigten sich bei diesem kurzen „Schulteil“ überrascht, dass die meisten Lurche durch den Luftdruck der Autos sterben und nicht durch ihre Reifen, einer gab uns sogar 5 Euro für die Gruppenkasse („wenn der Staat schon 20 Euro kassiert, dann sollt ihr auch was bekommen für euer Engagement“).  Zahlreiche Autofahrer wollten aber auch nichts von uns wissen (es sind eben statistisch gesehen keine anderen, als die, die wir sonst jeden Abend erleben, wenn wir ohne Polizei unterwegs sind…)

Aus unserer Sicht war es eine gelungene Aktion, die hoffentlich durch die Erzählung der Betroffenen und die Berichterstattung („Alsfelder Allgemeine Zeitung“ war vor Ort) wenigstens bei einigen zu mehr Bewusstsein für den Tier- und Naturschutzgedanken führt. Aber es ist leider so: wenn mitten in der Nacht ein einzelnes Auto durch Wälderhausen rast, während gerade das Wetter für Amphibienrekorde sorgt, sind mit einem Schlag 30 oder mehr Tiere tot. Schon an normalen Abenden haben wir schon pro Stunde 100 überfahrene Erdkröten gezählt. Daher nochmal Verweis auf unseren eindrücklichen Appell, langsam zu fahren!

Natürlich gibt es Verkehrsschilder mit Anweisungen, die sich einem nicht erschließen. Dann darf man nicht nur, dann sollte man nach Möglichkeit nachfragen, ggf. diskutieren, Verbesserungen vorschlagen. Aber ein Durchfahrtverbotsschild einfach zu ignorieren, weil es „nur für diese Kröten“ ist, finden eben sowohl wir als auch die Polizei nicht so doll. Vermutlich sah das aber ein Autofahrer deutlich anders: Denn just während der Verkehrskontrolle hat jemand das Sperrschild auf der Seite Homberg gestohlen.

Wir werden uns auch im nächsten Jahr für rücksichtsvolles Fahren einsetzen.

Weitere Bilder vom Einsatzabend:

Mehr zum Amphibienschutz auf unserer Übersichtsseite.

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