Praxiswochenende: Umweltbildung & Naturschutz in der Pfadfinderarbeit

18. Februar 2016
Stichwörter:

m-EPVSeminar im Vogelsberg 17.-19. Juni 2016

Pfadfinder gelten per se als „Naturkundler“ – immer draußen, survival just for fun, kennen natürlich jeden Vogel, Baum, Pilz, Floh, hören Fledermäuse mit dem bloßen Ohr und können die Wassergüte eines Baches mit dem dem großen Zeh bestimmen. (Zugegeben, ein paar wenige Pfadfinder sind nicht ganz so fit und googlen verstohlen im Smartphone, an welchem Baum doch gleich der Zunderschwamm wächst. )

Wie man Naturkunde in der Pfadfinderarbeit an Meuten und Sippen vermitteln kann – und wie sich damit ganz nebenbei noch Naturschutzprojekte gestalten lassen – soll Thema eines Wochenendseminars sein mit ganz viel „learning by doing“. Die Evangelischen Pfadfinder Vogelsberg organisieren in Kooperation mit den beiden großen Naturschutzverbänden Nabu und BUND sowie in Kooperation mit VCP und BdP einen umwelt- und naturpädagogischen Streifzug durch die Jugendarbeit. Kim- und Vertrauensspiele, Fledermausdetektor oder Kräuterspirale bauen, Wiesen-, Wald- oder Bachexkursionen, Vogelstimmen oder Amphibien kennen lernen, Molche und Schlupfwespen schützen – an diesem Wochenende ist Raum für alle Naturschutzthemen, jeder ist eingeladen seine Erfahrungen und sein Wissen einzubringen und neues mitzunehmen. Als Referenten stehen unter anderem drei Biologen parat. Das Gelände bietet vom Steinbruchtümpel bis zum Urwald ein breites Angebot für Exkursionen. Und Platz für Schwarzzelte ist auf der Streuobstwiese (Sanitäranlagen vorhanden).
Das Angebot richtet sich an alle Gruppenleiter, die (noch mehr) ökologisches Wissen in die Pfadfinderarbeit einbringen wollen.

Einige der Themen, die an diesem Wochenende angeboten werden:
– Fledermäuse und Detektoren
– Insektenhilfen bauen, Insekten beobachten, Wildbienen bestimmen
– Barfußpfad anlegen
– Crashkurs „Haselmaus-Suche“
– Tümpel und Bach unterm Binokular („Das Leben im Wassertropfen“)
– künstliche Nisthöhlen richtig gestalten, aufhängen und kartieren
– Natur-Erlebnis-Pfad konzipieren, anlegen, nutzen
– Schmuck aus Baumperlen
– Waldpädagogik mit „Flow learning“
– Naturkosmetik aus Wildkräutern
– Amphibien kennen und schützen
– Film drehen: Warum stirbt die Kröte unterm Auto? (Modell für Bernoulli-Effekt basteln)
– Nächtliche Wildbeobachtung
– Lebensraum Kirchturm
– Was bringt ein Herbarium?
– Biodiversität auf der Naturwiese (extensive vs. intensive Landwirtschaft)
– Umgang mit der Sense auf der Naturwiese (inkl. dengeln und wetzen)
Brot backen im alten Backhaus (Holzfeuerofen)

Zu einigen Modulen haben wir ganz unten ausführliche Beschreibungen.

Ort: Ausbildungszentrum Naturschutz (AZN) in 36320 Kirtorf
Abholung von den nächsten Bahnhöfen (Stadtallendorf, Alsfeld) möglich.
Übernachtung in Schwarzzelten, naturnahe Feuerküche; es stehen aber auch feste Räume zur Verfügung
Termin: 17. bis 19. Juni 2016
Unkostenbeitrag: 20 Euro
Leitung: Lux (auch so ein Biologe, EPV)
Umweltpädagogisches Programm: Dr. Martin Jatho, Dr. Wolfgang Dennhöfer
Anmeldung bis spätestens 31. Mai schriftlich mit Kostenbeitrag, Anmeldeunterlagen gibts per Post:
Evangelische Pfadfinder Vogelsberg (EPV). Mit den angemeldeten Teilnehmern wird dann noch vor dem Seminarwochenende so weit wie möglich das konkrete Programm nach den eigenen Interessen vereinbart.

Das Seminar ist natürlich offen für Nicht-Pfadfinder in ähnlichen Jugendarbeitsbereichen (Waldjugend, Naju-Hajker etc.!).

Details zu einigen Programm-Modulen:

1. Sei ein Frosch – Amphibien kennenlernen und schützen
Wir suchen und bestimmen Molche und Frösche im Steinbruchweiher.
Who is who und was wir noch sehen können, bevor wir die Kleinen wieder ins Wasser setzen.
Trockenübung: Amphibien bestimmen, Froschkonzert: die heimischen Arten in Bild und Ton
Amphibienschutz: was können wir vor Ort tun? Forschen, Öffentlichkeitsarbeit, Schutzmaßnahmen.
Praktische Übung:  Wie bauen wir einen Krötenzaun? Theorie: Dinge die zu beachten sind.

2. Wald ist nicht (nur) für Förster da – Wälder erleben und Wald-Politik
Wir erleben Wald mit allen Sinnen – und mit kritischem Verstand.
Wald erleben: „Flow learning“ nach Joseph Cornell – und forschen was ist.
Biodiversität der Hecken und Wälder, botanisch und zoologisch, vor Ort erkunden.
Ist Wald Natur pur? Sehen wir Spuren menschlicher Nutzung im Wald?
Waldpolitik: Wie soll er aussehen, der Wald der Zukunft. Wir erwarten zu Recht, dass große Teile des artenreichen Regenwaldes in (geld)armen Regionen unserer Welt geschützt werden. Wieso schaffen wir in Germoney es nicht, wenigstens 5 % unserer Wälder so „einfach so“ leben zu lassen?

3. Das Leben im Wassertropfen – Wasserleben im Steinbruchweiher und unterm Binokular
Wassertiere sind ideale Studien-“Objekte“- viele sind Bioindikatoren der Gewässergüte, viele sind „einfach“ zu bestimmen.
Wassertiere sind ideale Lehrmeister in Sachen „Schönheit der Natur“
Wir fangen kleine Wassertiere, nehmen Proben von Wasserpflanzen und Schlamm.
Wir üben: Bestimmen und Staunen.
Wir üben: Denken, Dichten, Malen…was tun wir mit dem Impuls, den wir –hoffentlich –gekriegt haben?

4. „Lebens(T)räume Bechtelsberg“
Die „Verantwortungsgemeinschaft“ Berfa erarbeitet zurzeit einen „Berchta-Weg“. Wichtiger  Bestandteile des Konzepts ist es,  die bunte Vielfalt der Natur auf „unserem Berg“ erlebbar zu machen. „Erlebbar“ heißt: wo immer es geht wollen wir das sinnliche Erfahren in den Mittelpunkt stellen– z.B. Suchen nach…. Riechen an….Hören auf……Daneben und gleichwertig gilt: wir müssen (er)kennen was wir lieben, dazu brauchen wir manchmal Anleitung – und ein wenig „Wissensvermittlung“.
Was wir im Workshop erarbeiten und ausprobieren sind Ideen für Infotafeln, für Natur-Erlebnis-Wanderungen, für „Anleitungen zum Naturforschen“, für „Mitmachaktionen aller Art“, z.B.:
was sehe ich da für Pflanzen bzw. wie sehen die in der Blüte aus (wenn ich im August vor Ort bin),
auch Infos zu „ökologischen Zusammenhängen“ (z.B. wie viele Pflanzenarten verstecken sich in 100 qm Wiese = Biodiversität, wie viel Heu frisst eine Kuh, welche Insekten wimmeln in dieser Hecke.) Das Ziel ist: hier Beispiele vor Ort auszuarbeiten.
Mögliche Schwerpunkte sind: Lebensgemeinschaften des extensiv genutzten Grünlands (in feuchter und trockner Ausprägung), der Hecken und Wälder (Biodiversität, botanisch und zoologisch), „Schutz durch Nutzung“ – die Landwirtschaft als Schlüssel für nachhaltige Schutzkonzepte, Gülleproblematik, bemerkenswerte Avifauna,
Rotmilan und Windkraft, Natura2000 :Vogelschutzgebiet Knüll.
Der Bechtelsberg ist ein Vulkan, Geotop Steinbruch,
Wald und Waldrand, ortstypische Tiere und Pflanzen z.B. Orchideen,
landschaftspflegerische Arbeiten örtlicher Naturfreunde, Stichwort: Erhalt der Biodiversität auf der Hochfläche des Bechtelsbergs ,
Exkurs „Ich Narr vergaß die Zauberdinge“ – christliche Einkehr auf dem Zauberberg.

5. Maja and friends:   Biodiversität Wiese
Wir erforschen/erleben „ökologischen Zusammenhängen“: was sehe ich da für Pflanzen, wie viele Pflanzenarten verstecken sich in 100 qm Wiese = Biodiversität, ist das in jeder Wiese gleich? Wie viel Heu frisst eine Kuh, Lebensgemeinschaften des extensiv genutzten Grünlands (in feuchter und trockner Ausprägung) am Bechtelsberg und/oder extensives und intensiv genutztes Auengrünland an der Schwalm, typische Tiere und Pflanzen z.B. Grashüpfer, Gräser, Wiesenblume.
„Schutz durch Nutzung“ – die Landwirtschaft als Schlüssel für nachhaltige Schutzkonzepte, Gülleproblematik – Exkurs Lebens-Politik: welche Landwirtschaft wollen wir haben, Burger aus fröhlichen Kühen – oder doch lieber Vegan ?
Pflegekonzept Grünland – praktische Übung. Wir mähen eine verbrachte Feuchtwiese.

6. Gewässergüte bestimmen mit dem Saprobienindex
Mit dem Saprobiensystem kann der biologische Verschmutzungsgrades (Saprobie) durch organische Stoffe in einem Fließgewässer bestimmt werden. Dazu werden mit einem standardisierten Verfahren an einzelnen Probestellen alle vorhandenen Lebewesen bestimmt und gezählt. Aufgrund der Häufigkeit einzelner Arten kann die Gewässergüte abgeschätzt werden.
Dieser Kurs gibt sicherlich über die konkrete Methode hinaus einen guten Einblick in das Ökosystem Bach – mit vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten in der Jugendarbeit bzw. beim Outdoorleben.

Einen genauen Zeitplan (von Freitag, ca. 18 Uhr, bis Sonntag, ca. 15 Uhr) gibt es dann erst kurzfristig, nachdem alle Angebote und Wünsche berücksichtigt wurden. Detailabsprachen Anfang Juni kurz nach dem Anmeldeschluss.

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